Hochbeet mit Gemüse und einer Informationstafel

Mit dem Projekt «Genuss für Mensch und Natur» hat Lichtensteig den Binding Innovationspreis für Biodiversität erhalten – eine nationale Bestätigung für den Weg, den die Gemeinde seit bald acht Jahren gemeinsam mit der Bevölkerung verfolgt.

Im Apothekergarten bei der Bushaltestelle wachsen Heilpflanzen unterteilt nach ihren Wirkungsbereichen, in Hochbeeten seltene Gemüsesorten oder essbare Wildblumen, im Naschgarten Spalierobst und Beeren. Auf kleiner Ruderalfläche begrenzt von Trockensteinmauern bieten Totholz und heimische Pionierpflanzen unzähligen Insekten und Echsen einen Lebensraum. Ein naturnaher Park, Grillstelle, Gemeinschaftsgarten und Wildwiesenblumen laden zum Verweilen ein. Wer durch Lichtensteig spaziert trifft immer wieder auf kleine, vielfältige Ökoflächen, wo hübsche Holzschilder die Pflanzen erklären und zum Pflücken und Naschen einladen. «Wir verbinden Naturschutz mit Genuss und sensibilisieren die Bevölkerung im Alltag für die Vielfalt der Natur.» Sarah Brümmer ist seit zwei Jahren für den Bereich Biodiversität in Lichtensteig verantwortlich. Mit Kreativität und Herzblut schafft sie in enger Kooperation mit Werkhofmitarbeitenden neue Grünflächen im Städtli und bindet die freiwilligen Helfer*innen mit ihrem langjährigen Engagement für die Biodiversität in Lichtensteig ein.

Gelebte Partizipation

Die ökologische Aufwertung geeigneter Flächen wurzelt, wie viele innovative Projekte im Städtli, im Partizipationsprozess, den die Gemeinde 2013 angestossen hat, um der Bevölkerung die Mitwirkung bei der Gestaltung ihres Lebensumfelds zu ermöglichen. Im Rahmen von Zukunftswerkstätten bildete sich damals die Arbeitsgruppe «Blühendes Lichtensteig», die sich ehrenamtlich für die nachhaltige Bewirtschaftung der öffentlichen Flächen engagiert.
Parallel dazu hat der Gemeinderat im Sinne des «Führens von unten», wie Stadtpräsident Mathias Müller erklärt, den Rahmen für die Professionalisierung des Engagements geschaffen und mit Sarah Brümmer als Verantwortliche den Weg zur Grünstadt-Zertifizierung eingeschlagen. Das Label zeichnet Gemeinden aus, die sich intensiv für die nachhaltige Gestaltung und Pflege ihrer Grünflächen einsetzen und betrifft nach Ausführungen von Müller weit mehr als ökologische Aufwertungen. Die Gemeinde richtet auch verwaltungsinterne Prozesse auf ein nachhaltiges Management aus und realisiert beispielsweise Massnahmen im Bereich des Bauens und der Richtplanung, beim Beschaffungswesen, bei der Mobilität oder der Kommunikation. Lichtensteig ist ausserdem Pilotgemeinde für die «Umsetzungshilfe-Biodiversität», ein Förderprogramm, das der Kanton St. Gallen im Rahmen seiner Biodiversitätsstrategie umsetzt.

Langfristig verankern

Die Arbeit der letzten Jahre zeigt Wirkung: Blumen und Sträucher sind gewachsen; graue, «tote» Flächen haben sich in Oasen vielfältiger Pflanzen- und Tierwelt verwandelt. «Die Rabatte vor dem Werkhof verleitet, nach anfänglicher Skepsis, die Leute heute dazu, stehen zu bleiben, die Informationstafeln zu lesen und sich nach Tipps für die eigene naturnahe Gartengestaltung zu erkundigen», nennt Stephan Huber, Werkhofleiter, ein Beispiel für die zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung. Und das Wirken zieht Kreise über die Städtligrenzen hinaus. Lichtensteig wurde mit dem Binding Innovationspreis für besonders innovative Projekte zur Biodiversitätsförderung ausgezeichnet. Für Sarah Brümmer, Stephan Huber und Mathias Müller ist der Preis nicht allein Anerkennung und Bestätigung für ihre und die Arbeit aller freiwilligen Helfer*innen, sondern auch Ansporn, den erfolgreichen Weg weiter zu verfolgen und langfristig in Lichtensteig zu verankern. So ist für 2022 neben der Realisierung verschiedener Projekte geplant, die Freiwilligenarbeit zu stärken und interessierte Vereine wie NaThur oder NaturFlooz weiter einzubinden.

Lorenz Neher präsentiert das Förderprogramm in Lichtensteig

Die Gemeinde Lichtensteig lanciert am 1. Januar 2022 ein kommunales Energieförderprogramm. Dabei profitieren Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer von grosszügigen Beiträgen beim Heizungsersatz, bei Wärmedämmungen und der Erzeugung von Solarstrom und Wärme. Ziel des Förderprogramms ist die Erhöhung der Eigenproduktion von Strom und Wärme und die Reduzierung des CO2-Ausstosses in der Gemeinde. Am Dienstagabend wurde die Bevölkerung entsprechend informiert.

Mathias Müller begrüsste vergangenen Dienstag, 2. November 2021, die interessierten Lichtensteigerinnen und Lichtensteiger und stellte gemeinsam mit der Energiekommission Lichtensteig, der Energieagentur St. Gallen und energietal toggenburg das neue Förderprogramm vor. Es wurde aufgezeigt, was die Gemeinde Lichtensteig in den letzen Jahren im Bereich der Energie und Umwelt bereits erreicht hat und wo das Toggenburg und insbesondere die Gemeinde Lichtensteig bezüglich der Energieentwicklung steht. Im Fokus stand am Informationsabend aber das neue Energieförderprogramm, dessen Abwicklung und die Fragen aus der Bevölkerung.

Heizungsersatz, Nutzung der Sonnenenergie und Wärmedämmung

Den Ersatz der Elektro-, Gas- oder Ölheizung oder alten Holzfeuerung durch eine neue Holzfeuerung mit dem Qualitätssiegel Holzenergie Schweiz unterstützt die Gemeinde ab dem 1. Januar 2022 pauschal mit 3’000 Franken. Der Ersatz mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe wird pauschal mit 1’000 Franken unterstützt, Sole-Wasser und Wasser-Wasser- Wärmepumpe pauschal mit 3’000 Franken. Der Anschluss an einen Wärmeverbund, welcher überwiegend mit erneuerbarer Energie betrieben wird, wird für Einfamilienhäuser mit 2’500 Franken und für Mehrfamilienhäuser oder Nichtwohnbauten mit 3’500 Franken unterstützt.

Neue Photovoltaik-Aufdachanlagen werden mit 200 Franken pro Kilowatt und Indachanlagen mit 400 Franken pro Kilowatt unterstützt. Der maximale Förderbeitrag beträgt bei Aufdachanlagen 2’000 Franken und bei Indachanlagen 4’000 Franken. Weiter werden Beiträge für Sonnenkollektoranlagen ausgerichtet, dies bis zu einem Maximalbetrag von 6’000 Franken.

Wärmedämmungen von Einzelbauteilen werden mit CHF 20.-/m² Dämmfläche unterstützt. Der Maximalbeitrag beträgt bei Einfamilienhäuser 1’500 Franken und bei Mehrfamilienhäusern 3’000 Franken.

Förderantrag einreichen

Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in der Gemeinde Lichtensteig können den Förderantrag ab dem 1. Januar 2022 elektronisch ausfüllen und unter http://efoerderportal.sg.ch einreichen. Dieser wird von der Energieagentur St. Gallen GmbH beurteilt und bewilligt, sofern das Projekt die Förderkriterien erfüllt und der Antrag vor Baubeginn eingereicht wurde.

Förderprogramme in der Region Toggenburg

Die Gemeinde Lichtensteig ist bereits die zehnte von insgesamt zwölf Toggenburger Gemeinden, welche ein kommunales Förderprogramm anbieten. Ausserdem profitieren alle Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Lichtensteig von den kostenlosen Beratungsangeboten von energietal toggenburg. Weitere Informationen zu den Förderprogrammen finden Sie hier.

Grüner Netzstecker

Die Energieakademie startet im November mit einem neuen Weiterbildungsangebot. Der «EnergieLeader» will ein breites Zielpublikum in den wichtigen Energiefragen fit machen.

Wer sich mit Energie- und Klimapolitik auseinandersetzt, sieht sich mit Strategien, Konzepten, wechselnden Rahmenbedingungen und häufig auch mit viel Fachjargon konfrontiert. Die neue Weiterbildung «EnergieLeader» der Energieakademie Toggenburg setzt bei dieser Herausforderung an. «Wir wollen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das nötige Wissen vermitteln, um sich im beruflichen wie im privaten Umfeld kompetent zu Energiethemen und -strategien austauschen sowie Energiekonzepte beurteilen und sogar erstellen zu können», fasst Roland Langenegger, Leiter der Energieakademie, das neue Angebot kurz zusammen.

Für den Überblick

Der «EnergieLeader» gliedert sich in drei Module, die aufeinander aufbauen: «EnergieLeaderBasis», «EnergieLeaderPlus» und «EnergieLeaderProfi». Im Basismodul – es umfasst einen Tageskurs – stehen Grundlagen rund um Energie und Umwelt, eine Übersicht über die Technik, politische Rahmenbedingungen und ein erster Einblick in Energiekonzepte im Zentrum. Die Teilnehmenden lernen beispielsweise die Energiestrategie 2050 sowie das nationale und das kantonale Energiegesetz oder die Abfall- sowie die Luftreinhalteverordnung kennen. Sie erhalten eine Übersicht über die Förderprogramme für erneuerbare Energien und Massnahmen der Energieeffizienz von Bund und Kanton und setzen sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Umweltfolgen des Energieverbrauchs und Lichtverschmutzung auseinander.

Das eigene Energiekonzept

Der zweite Teil der Weiterbildung, der «EnergieLeaderPlus», dauert drei Tage und beinhaltet Fachmodule zu den Themen Strom, Wärme, Mobilität sowie Energie- und Abfallkonzepte. Diese vermitteln Wissen zu Energietechniken, zu Baustandards oder
zu Energie- und Mobilitätssystemen. Ebenso gehören praktische Übungen zu Konzepten und Audits sowie die Grundlagen des Energiemanagements zum Programm.
Das dritte Modul, der «EnergieLeaderProfi», schliesslich bietet den Teilnehmenden nach der theoretischen Einführung die Möglichkeit, ein individuelles Energiekonzept für die eigene Firma oder Organisation zu erarbeiten. Dabei steht ihnen eine Referentin
oder ein Referent als Betreuungsperson zur Verfügung.

Tiefer und praktischer

Die Energieakademie startet den dreiteiligen Lehrgang bewusst mit einem thematisch sehr breit ausgerichteten Basismodul, um vielen verschiedenen Anspruchsgruppen die Auseinandersetzung mit der Energie- und Klimapolitik zu ermöglichen und Sicherheit in grundlegenden Energiefragen zu vermitteln. Aus der breiten Teilnehmerschaft des Basismoduls sollen sich die Absolvent*innen für den Besuch der weiteren Module herauskristallisieren, so dass sie je nach Funktion und beruflichen Ansprüchen das gesamte Angebot nutzen.
Während sich das Zielpublikum «verengt», wird die Themenbearbeitung tiefer und praxisbezogener. «Bereits im Modul EnergieLeaderPlus planen die Teilnehmenden eine Veranstaltung nach Kriterien der Nachhaltigkeit oder skizzieren Massnahmen zur CO2-Reduktion für den eigenen Betrieb,» verdeutlicht Langenegger das Prinzip der Weiterbildung. Dazu setzt die Energieakademie auf Referent*innen mit Praxisbezug, welche neben dem Fachwissen sehr viel berufliche Erfahrung einbringen können.

Die ersten Anmeldungen auf die Ausschreibung das Basismoduls sind sehr schnell eingegangen, was das Bedürfnis nach der Weiterbildung belegt. «Nun haben wir die Chance mit einer hohen Kursqualität das Interesse für die weiterführenden Module zu wecken», ist Langenegger überzeugt.

Weitere Informationen und ein Anmeldeformular zum Weiterbildungsangebot «EnergieLeader» finden Sie hier.

Toggenburger Churfirsten

Die «Möglichkeitsräume» und energietal toggenburg organisieren die erste Impulswerkstatt für KMU. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich mit Nachhaltigkeit Fachkräfte anziehen lassen.

Die Weiterentwicklung von KMU in der heutigen Zeit mit schnell wechselnden Rahmenbedingungen ist eine grosse Herausforderung. Im Rahmen eines Projekts der «Neuen Regionalpolitik, NRP» des Vereins «Ort für Macher*innen» in Lichtensteig erhalten KMU in Impulswerkstätten Anregungen, die Region für Fachkräfte attraktiv zu machen.

Die erste Veranstaltung «Nachhaltig KMU» findet am 17.11.21 im Macherzentrum in Lichtensteig statt. Den Link zum Anmeldeformular finden Sie hier.

Alle weiteren Veranstaltungen von energietal toggenburg finden Sie hier in der Übersicht.

Kantischüler spielen das Strategiespiel Changing the Game

Mit dem Strategiespiel «Changing the Game» können die Spieler*innen selbst eine umweltverträgliche Energiestrategie entwicklen. 23 Jugendliche der Kanti Wattwil stellten sich der Herausforderung.

Im Rahmen der «Sonderwoche Wirtschaft» an der Kanti Wattwil schlüpften 23 Schüler*innen in die Rolle von Energiepolitiker*innen. Im Spiel «Changing the Game» entwickelten sie unter der Leitung von Markus Kaufmann und Peter Widerin vom Energieinstitut Vorarlberg ihre eigene Energiesstrategie für Europa. Dabei galt es, das bestehende Energieversorgungssystem zu verstehen und
unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien in ein zukunftsweisendes, umweltfreundliches und sozial verträgliches Szenario für das Jahr 2035 umzuwandeln.

Weitere Information zum Bildungsangebot «Changing the Game» finden Sie hier.

Berg spiegelt sich im Bergsee

Toggenburg Tourismus und energietal toggenburg haben die Köpfe zusammengesteckt und auf Basis ihrer Gemeinsamkeiten eine neue Dienstleistung für die Region entwickelt: Das Beratungsangebot «Nachhaltiger Tourismusbetrieb».

In den letzten Jahren hat sich energietal toggenburg erfolgreich auf die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Schulen, Privaten und Unternehmen konzentriert. Eine etablierte Kooperation in der Sensibilisierung und Umsetzung von Projekten rund um Energieeffizienz und erneuerbare Energien ist das Resultat. «Als weitere Partnerin wollen wir die Gastronomie vor allem im Tourismusbereich gewinnen und den Fokus auf eine umfassende Betrachtung der Energienutzung, die Nachhaltigkeit, legen», erklärt Geschäftsleiter Christoph Kauz die Idee des neuen Angebots. Neben der Effizienz und der Konsistenz (erneuerbare Energien) bietet seiner Beurteilung nach, die Suffizienz als dritter Aspekt der Nachhaltigkeit, grosse Chancen für die regionale Wertschöpfung. Auch im Tourismus wächst die Nachfrage nach umweltverträglichen, sozial gerechten und wirtschaftlich sinnvollen Angeboten, was dem Suffizienz-Gedanken entspricht. «Suchen wir das ferne, importierte Gut oder liegt der Genuss im regionalen Produkt wie dem frischen Käse aus dem Toggenburg?», macht Christoph Kauz ein Beispiel.

Resonanz schafft Nachhaltigkeit

Schlichtheit, Genügsamkeit und Entschleunigung sind Werte der Suffizienz, so dass sie hervorragend zur Toggenburg Tourismus Strategie 2025 passt, dem Resonanz-Tourismus. Dieser versucht den Gästen neben dem Erlebnis auch neue Erfahrungen zu vermitteln. Nicht allein der schnelle Glücksmoment zählt. Die vertiefte Auseinandersetzung mit der Region, den Menschen und der Natur wird wichtig und ermöglicht ein «Nachhallen» bei den Gästen.
Auf Grundlage dieser Gemeinsamkeit haben energietal toggenburg und Toggenburg Tourismus das neue Beratungsangebot «Nachhaltiger Tourismusbetrieb» für Hotel-, Restaurations- und Tourismusunternehmen entwickelt.

Den Weg gemeinsam definieren

Im Mittelpunkt steht ein Nachhaltigkeitsprofil für den Gastrobetrieb, das energietal toggenburg vor Ort, basierend auf der Agenda «Suffizienz» des Ökozentrums Langenbruck, erstellt. Dazu analysiert die Beraterin oder der Berater die Ausgangssituation des Betriebs in verschiedenen Bereichen wie Mobilität und Transport, Lebensmittel und Abfall, Energie und Infrastruktur, Naturerholung und Angebote oder Kommunikation und Ethik. In der gemeinsamen Diskussion entscheidet der Gastrobetrieb in welchen Bereichen er eine Verbesserung anstreben will und welche Massnahmen diesen Weg am besten unterstützen. Neben dem Massnahmenkatalog bildet ein Spinnendiagramm – bekannt aus der Politik – das visuelle Resultat der Beratung. Es zeigt einerseits die Bewertung des Ist-Zustands und andererseits die anvisierte Entwicklung.

Inspirieren zu eigenen Ideen

Die erste Beratung, die Christoph Kauz bereits durchführen konnte, stützt seine Erfahrung: Oft setzen Betriebe den Effizienzgedanken in einzelnen Bereichen schon um. Sie richten beispielsweise die Küche auf saisonale Produkte aus, kaufen in der Region ein oder haben LED-Beleuchtung installiert. Doch sie kommunizieren dieses Engagement den Gästen gegenüber nicht. «Wir wollen die Gastrounternehmen dafür sensibilisieren, ihren bedachten Umgang mit Ressourcen bekannt zu machen, um den Gästen den Mehrwert aufzuzeigen und sie inspirieren, diesen Weg mit eigenen Massnahmen weiterzuentwickeln», fasst Kauz die Zielsetzung der Beratung zusammen.

Das neue Beratungsangebot «Nachhaltiger Tourismusbetrieb» ist für Hotel-, Restaurations- und Tourismusbetriebe im Toggenburg dank Förderbeiträgen von energietal toggenburg kostenlos. Es zeigt Unternehmen auf, wie sie und die Gäste vom Mehrwert der Nachhaltigkeit profitieren. Weitere Infos finden Sie hier.

Kinder mit Bauhelm werken auf einer Kinderbaustelle

Einen richtigen Ansturm an experimentierfreudigen Kindern konnten die Kinderbaustellen in Wil und Wattwil an den im September verbuchen.

Handwerkliches Geschick und Kreativität sind auf der Kinderbaustelle gefragt. Da wird gehämmert, gelötet, gemalt und gestaunt; vor allem, wenn das eigene Solarauto oder das Flugobjekt sich mit Hilfe der Sonneneinstrahlung tatsächlich in Bewegung setzt. Aepli Ateliers und energietal toggenburg organisieren die Energie-Erlebnistage jeweils gemeinsam mit den Kinderbaustellen-Teams und werden durch Energiestadt Wil und die Technischen Betriebe Wil unterstützt.

Lehrer erklärt Oberstufenschüler ein Modell

Die Oberstufe Eschenbach hat sich Anfang September 2021 ganz der «Energie» verschrieben. Ihr eigener Blog zeigt die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema.

Begleitet von energietal toggenburg gestalteten die fünf Drittoberstufenklassen eine sehr individulle Sonderwoche rund um das Thema Energie. Die Jugendlichen setzten sich nicht nur mit technischen Aspekten der Energie wie Heizung, Solarenergie und Stromkreisläufen auseinander. Sie vertieften sich beispielsweise auch in die Abfall- und Food-Waste-Problematik, kreiierten eigene Energiegeschichten und Solarmodelle, verfolgten den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung eines T-Shirts, gingen an ihre körperliche Energiegrenze oder besuchten einen landwirtschaftlichen Betrieb, um in Stall und Treibhaus mitzuhelfen. Ein Schülerteam hat die abwechslungreiche Woche journalistisch begleitet und auf dem eigenen Blog dokumentiert. Ein Besuch lohnt sich.

Mehr zum Bildungsangebot Jugendsolarwoche finden Sie hier.

Fluss in steinigem Bachbett im Wald

Die Gemeinde Neckertal zieht eine sehr positive Bilanz zum Energieförderprogramm. Insgesamt konnte sie in den gut zwei Jahren Laufzeit 64 Fördergesuche für Massnahmen der Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien zusichern. Die Umsetzung dieser Bauvorhaben hat eine Reduktion der CO2-Emmissionen von 631 Tonnen zur Folge.

Die Gemeinde Neckertal hat im April 2019 ihr kommunales Energieförderprogramm gestartet. Sie verfolgte dabei das Ziel auch auf kommunaler Ebene einen Beitrag an die CO2-Reduktion im Gebäudebereich zu leisten und die vermehrte Ausnutzung des regionalen Energiepotenzials bei der Wärmeerzeugung zu unterstützen. Damit möglichst viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer in den Genuss von Fördergeldern kommen, definierte die Gemeinde ihre Förderbereiche in Ergänzung zum kantonalen Förderprogramm. Neckertal unterstützte den Einsatz von Solarstrombatterien und Solarstrom-Anlagen, den Ersatz von Öl-, Gas- und Elektroheizungen durch Holzfeuerungen oder den Anschluss an Fernwärmenetze sowie den Fensterersatz.

Aufträge für das regionale Gewerbe

Das Energieförderprogramm ist in diesen gut zwei Jahren auf ein sehr gutes Echo gestossen. Total konnte die Gemeinde für 64 Gesuche Fördergelder sprechen. Dabei stehen die Solarstrom-Anlagen mit 28 Gesuchen an der Spitze, gefolgt vom Fensterersatz (15), Solarstrombatterien (14) und dem Heizungsersatz durch Anschlüsse an Fernwärmenetze (6) und Holzfeuerungen (1). Gemäss Berechnungen von Bund und Kanton hat jeder Förderfranken zusätzlich sieben Franken Investitionen zur Folge. Mit den eingesetzten Fördermitteln von rund 162’000 Franken löste die Gemeinde gut 1,13 Mio. Franken Investitionen aus, von welchen vor allem das regionale Gewerbe in Form von Aufträgen profitieren konnte.

Beitrag zur CO2-Reduktion

Die grosse Nachfrage nach Unterstützungsgeldern lässt den Schluss zu, dass die Förderung für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer ein Anreiz ist, Projekte schneller umzusetzen. Damit haben sie mit ihren Bauvorhaben zur Wertschöpfung in der Region beigetragen und einen konkreten Beitrag an die energie- und klimapolitischen Ziele der Schweiz geleistet. Die Reduktion der CO2-Emmissionen für alle umgesetzten Massnahmen beläuft sich auf 631 Tonnen.

Die Fördergelder sind ausgeschöpft, so dass die Gemeinde das Förderprogramm für den Moment einstellt. Nach der Fusion der Gemeinden Hemberg, Neckertal und Oberhelfenschwil zur neuen Einheitsgemeinde Neckertal mit Start auf 2023 wird die allfällige Neulancierung eines kommunales Förderprogramm wieder diskutiert.

Turbine aus dem Jahr 1910

Im Haus «Alte Säge» in Alt St. Johann produziert die Francisturbine aus dem Jahr 1910 seit vergangener Woche wieder Strom – dank grossen Engagements für den Erhalt historischer Werte und Substanz.

«Wir waren beeindruckt von den handgezeichneten, historischen Plänen des Wasserkraftwerks», erinnert sich Peter Eigenmann an den Moment, als er mit seiner Partnerin Bettina Kaiser begann, sich ins Projekt zur Reaktivierung der Anlage zu vertiefen. Bettina Kaiser ist in der Nachbarschaft der «Alten Säge» an der Sonnenhalbstrasse in Alt St. Johann aufgewachsen und hat die Liegenschaft mit dem Wasserkraftwerk im September 2020 erworben (vgl. «das sind wir). Auch Peter Eigenmann kennt die Anlage durch die Familienfreundschaft mit dem langjährigen Vorbesitzer Max Gächter. Die Faszination für Technik und Wasserkraft begleitet ihn: «Ich habe grossen Respekt vor den technischen Leistungen früherer Generationen.»

Wieder in Betrieb

Erste Erwähnung findet die «Alte Säge» bereits im 17. Jahrhundert. Das noch heute bestehende Sägereigebäude wurde 1797 erstellt. 1901 liess der damalige Besitzer Johann Tobler die Säge ins Wasserrechtskataster des Kantons St. Gallen eintragen und ein Wasserrad erbauen. Knapp zehn Jahre später installierte er im Untergeschoss der Säge eine Francisturbine zur Stromproduktion.

Max Gächter kaufte die Liegenschaft 1971 und gestaltete die Sägerei in Wohnraum um. Das Wasserkraftwerk war seine Leidenschaft. Er betrieb es bis ins Jahr 2016. In dieser Zeit tätigte er verschiedene Revisionsarbeiten, stattete die Anlage mit einer mechanischen Steuerung aus und konnte sie auch immer wieder interessierten Fachleuten zeigen.

Nach einigen Jahren Unterbruch der Stromproduktion leitete Bettina Kaiser als neue Besitzerin die Reaktivierung der Anlage mit Wasserrechtskonzession und gewässerschutzrechtlicher Bewilligung für die energetische Nutzung Anfang 2021 in die Wege. Peter Eigenmann, mit mechanischer Grundausbildung, hat die Leitung des Projektes übernommen und vorangetrieben. Im ersten Schritt liessen sie anstelle der mechanischen eine neue elektronische Steuerung konzipieren und einbauen. Weil jedes Kraftwerk eigene Parameter beispielsweise bezüglich Fallhöhe oder Menge des Wassers aufweist, handelt es sich dabei um eine Einzelausführung, basierend auf einer Grundsoftware. Mit der Firma AVM aus Dietfurt konnte ein kompetenter Partner mit Erfahrung für die Umsetzung gefunden werden. Ebenso erfolgten im Rahmen der Restauration Massnahmen bezüglich der Sicherheit, so dass die Anlage auch für Führungen vorbereitet ist.

Kaum Eingriff in die Natur

Das Wasserkraftwerk, ein Laufkraftwerk, entspricht in der Dimension und Konzeption auch heute der seit Jahren bestehenden Anlage. Es liegt nicht in einem Schutzgebiet. Im genutzten Bereich leben keine natürlich vorkommenden Fische.
Das Wasser entstammt einer Karstquelle oberhalb der Liegenschaft «Alte Säge», zu der das Quellrecht gehört. Ab der Quelle gelangt das Wasser über einen kurzen Bach ins Vorbecken, von da auf die Turbine und wird über einen Kanal in die Thur geleitet. Das Wassernutzrecht beträgt 125 Liter pro Sekunde. Die weitere Wassermenge fliesst zur nahen Klangschmiede oder direkt in die Thur. Dank der Revision kann die Turbine mit 6 Kilowatt Motorenleistung rund 40 000 Kilowattstunden sauberen Strom produzieren – ohne nennenswerte Einflüsse auf die Natur. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespiesen.

Mechanik als Herausforderung

Im nächsten Schritt ist die mechanische Revision der Turbine geplant. Erst deren Zerlegung wird zeigen, welche Teile ersetzt und in aufwändiger Einzelanfertigung neu hergestellt werden müssen. «Die Erneuerung der Mechanik ist wie eine Wundertüte», schmunzelt Eigenmann. «Aber wir haben diese Herausforderung nicht angenommen um Geld zu verdienen, sondern weil uns der Erhalt der Anlage am Herzen liegt und wir mit unserem Projekt vielleicht auch andere Besitzer motivieren können, ihr kleines Wasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen.»