Holzenergiezentrum Toggenburg im Sommer

Vor zehn Jahren startete das Holzenergiezentrum Toggenburg (HEZT) den Betrieb und produzierte als einer der ersten Wärmeverbünde in der Schweiz Wärme und Strom. Anstelle der Jubiläumsfeier, welche der HEZT-Verwaltungsrat infolge der Corona-Einschränkungen absagte, erinnert ein kurzer Rückblick an die Anfänge des Pionierprojekts.

Ende Juni 2009 erfolgt der Spatenstich – ein Jahr später besteht die Feuerung die Taufe – im Herbst 2010 nimmt die Holzschnitzelheizung im Stich in Nesslau mit Wärmekraftkopplung und 6,5 Kilometer langem Wärmeverbund den Betrieb auf – rechtzeitig um den 65 ersten Bezüger*innen in Nesslau-Neu St. Johann ab dem Winter 2010 ganzjährig wohlige Wärme für Heizung und Warmwasser zu liefern.
«Die kurze Bauzeit war schon ein grosser Erfolg», erinnert sich Köbi Rutz, Seele des Projekts und Präsident der Genossenschaft Holzenergiezentrum Toggenburg (HEZT). Die Initiative dafür geht auf die Kreisalpenkorporation Krummenau-Nesslau und die Ortsgemeinde Nesslau zurück, zwei öffentliche Waldbesitzer mit einer Vision: Sie wollten das Holz möglichst wirtschaftlich und ökologisch in der Gemeinde nutzen und Wertschöpfung für die Region schaffen. Nach einer Machbarkeitsstudie gründeten sie zur Realisierung ihres Wärmeverbunds die Genossenschaft HEZT mit weiteren Partnern und Rutz an der Spitze.

Pionierleistung

«Im Verlaufe der Projektentwicklung haben wir verschiedene Wärmeverbünde auch im Ausland besichtigt und begeisterten uns für die gleichzeitige Holzverstromung», erzählt Rutz – eine Idee, welche auch die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) überzeugte. Die Energieversorgerin übernahm die Finanzierung der Wärme-Kraft-Kopplungsanlage zur Stromerzeugung (Organic Rankine Cycle-Verfahren) und ist bis heute dafür zuständig.
Dass die Genossenschaft vor 10 Jahren eine der ersten Holzheizungszentralen mit Fernwärmenetz und Stromproduktion in der Schweiz einweihen konnte, ist nach Einschätzung von Rutz zwei weiteren glücklichen Umständen zu verdanken. Zum einen unterstützten Stiftungen, Kanton, Bund, die Schweizer Berghilfe und die SAK sowie die künftigen Wärmebezüger*innen das 14,6 Mio. Franken Projekt finanziell. Zum anderen hatte die Genossenschaft in Urs Zwingli, Ingenieurbüro Calorex AG, einen Fachmann gefunden, der kompetent und engagiert die ganze Anlage selber plante.

Reduktion des CO2-Ausstosses

Heute produziert das HEZT rund 11,5 Mio. Kilowattstunden (kWh) Wärme pro Jahr und versorgt über ein effizient gedämmtes Fernwärmenetz 122 Betriebe, öffentliche Gebäude und Haushaltungen auf einer Trasselänge von gut 7,5 Kilometern. Die erneuerbare Wärme ersetzt rund 1’300’000 Liter Heizöl und reduziert den CO2-Ausstoss jährlich um 3’000 Tonnen. Je nach Winter braucht es dafür rund 27’000 m3 Holzschnitzel, die vollumfänglich aus der Waldregion 5 stammen. Die Forstbetrieb Obertoggenburg AG ist sowohl für die Lieferung des Holzes als auch die Aufbereitung der Schnitzel und Befüllung des Silos zuständig. Nach Ausführungen von Köbi Rutz kauft die Genossenschaft nicht eine Holzmenge ein, sondern vergütete die Schnitzel über die daraus produzierte Energiemenge. Das bedeutet: Je besser die Qualität der Schnitzel, desto grösser ist die Wärmeproduktion, was Lieferanten und Betreibern einen Vorteil bringt. Die Stromproduktion ist auf 2,4 Mio. kWh ausgelegt. Dieser Ökostrom wird ins Netz der SAK eingespeist und kann den Bedarf von rund 600 Haushaltungen decken.

Übergabe von Solarpreis-Diplom

Patrizia Egloff und Marlen Kleger konnten an der 30. Solarpreis-Verleihung vom vergangenen Dienstag mit Stolz ein Solarpreis-Diplom in Empfang nehmen. Gemeinsam mit Giuseppe Fent, Fent Solare Architektur, wurden wir als Förderverein für die grosse Arbeit am Eventhaus ausgezeichnet. Das mobile Eventhaus, gebaut im Plus-Energie-Bau-Standard, gastierte 2019 in jeder der zwölf Toggenburger Gemeinden. Auf kleinstem Raum konnten wir während unseres 10-Jahre Jubiläums demonstrieren, wie sich die 2000-Watt-Gesellschaft umsetzten lässt.

Weitere Informationen zum Eventhaus finden Sie hier.

Duschbrause in Dusche

Im Rahmen der Aktion «Ihr Handgriff spart» haben seit Anfang Juni 2020 bereits rund 2’200 Haushalte im Toggenburg eine Wohlfühl-Duschsparbrause zum Preis von 10 Franken bestellt. Ganz ohne Komforteinbusse haben 10 % aller Toggenburger Haushalte den Warmwasserverbrauch bereits um bis zu 50% gesenkt.

Um die CO2-Emissionen und den Energieverbrauch im Toggenburg nachhaltig zu senken, lancierten wir Anfang Juni 2020 die Duschbrausenaktion im Toggenburg. Finanziell unterstützt von der Stiftung KliK (Klimaschutz und CO2-Kompensation) und allen zwölf Toggenburger Gemeinden können Haushalte eine Sparbrause im Wert von 37 Franken zum Sparpreis von 10 Franken bestellen. Ganz ohne Komforteinbusse kann so der Wasserverbrauch um bis zu 50% gesenkt werden. Beim Energieverbrauch beträgt die Einsparung im durchschnittlichen Haushalt rund 800 kWh jährlich. Wird das Warmwasser mit Strom erzeugt, entspricht die Reduktion etwa dem fünffachen Stromverbrauch eines Kühlschranks der Effizienzklasse A+++. Erfolgt die Aufbereitung mit Gas oder Heizöl, lassen sich rund 200 kg CO2 -Emissionen vermeiden. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt: Dank des geringeren Energie- und Wasserverbrauches bleiben jedes Jahr zwischen 50 und 300 Franken mehr in der Haushaltkasse.

Aktion läuft bis Ende Dezember

Sparbrausen können weiterhin zum Aktionspreis von 10 Franken mit der Geschäftsantwortkarte oder noch einfacher, online unter diesem Link bestellt werden. Der Bezug ist beschränkt auf eine Duschbrause pro Haushalt.

Schüler und Eltern auf einem grossen Vorplatz

Unter dem Slogan «Zäme für morn» führte die Oberstufe Bütschwil-Ganterschwil-Lütisburg ihre Sonderwoche durch. Den krönenden Abschluss bildete die Präsentation der vielseitigen Resultate und Erkenntnisse rund um Energie und Nachhaltigkeit durch die Schüler*innen.

Was haben ein Deziliter Erdöl, ein Glas voll Heizpellets und sechzehn Gurken gemeinsam? Sie alle entsprechen der Energie von einer Kilowattstunde: Mit solch anschaulichen Beispielen starteten die 190 Schüler*innen vergangene Woche in den Projektunterricht.
Die Oberstufe Bütschwil-Ganterschwil-Lütisburg, BuGaLu, führt im Dreijahresrhythmus eine Sonderwoche durch. Wie beim letzten Mal arbeitete sie mit uns zusammen und setzte Inhalte der Jugendsolarwoche um. «Weil die Themen Energie, Klima und Nachhaltigkeit durch die Klimajugend heute noch aktueller sind als vor drei Jahren, haben wir uns für diese Ausrichtung der Woche entschieden und ihr mit „Zäme für morn“ ein individuelles Motto verliehen », erklärt Fachlehrerin Maja Vettiger, die für die Sonderwoche verantwortlich ist. Mit einem Organisationsteam zusammen hat sie bereits vor eineinhalb Jahren mit der Planung begonnen, um die Sonderwoche unterstützt von allen Lehrpersonen mit der ganzen Schülerschaft realisieren zu können. «Ziel des Projekts ist es, unsere Schülerinnen und Schüler für einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen zu sensibilisieren», fasst Vettiger zusammen und präzisiert, dass die Sonderwoche auch die Chance biete, sich das eigene Verhalten und dessen Folgen bewusst zu machen.

Viel Praktische Arbeit

Neben einleitender Theorie rund um Energie, Klima und den eigenen ökologischen Fussabdruck vertieften sich die Schüler*innen in die Arbeit in thematischen Modulen, die sie selber gewählt hatten. In den Bereichen Mobilität, Bekleidung, Ernährung, Wasser, Wohnen oder Geräte untersuchten sie unter anderem ihr eigenes Verhalten bezüglich des Energieverbrauchs und entwickelten Ideen, um den Alltag nachhaltiger zu gestalten.
Parallel dazu installierte eine Schülergruppe der dritten Oberstufe Photovoltaikmodule auf dem Dach des Schulhauses und erweiterte damit die bestehende Solarstromanlage, während musikinteressierte Jugendliche den Sonderwochensong einübten. Mit einer praktischen Arbeit rundeten alle Klassen die Themen ab und stellten Solarmobile, Solartaschen oder solarbetriebene Kunstwerke her. Am Schlussevent wurden die kreativsten Objekte prämiert.
Im Verlaufe der Woche hatten die Jugendlichen auch Gelegenheit das interaktive «SmartMobileHome», das auf dem Schulhauplatz gastierte, zu besuchen. Der grosse Truck bringt die Themen Energie und Elektrizität sowie die Elektroberufe näher. Ebenso erlebten die Klassen die eigene Körperenergie auf einer Nullenergie-Exkursion beim Wandern oder Velofahren.

Erfolgreiche Woche

Die langfristige Planung und die Erfahrungen aus der ersten Umsetzung erwiesen sich als Erfolgsfaktoren. «Wir haben eine spannende Sonderwoche erlebt, die sehr geordnet abgelaufen ist», zieht Maja Vettiger eine erste Bilanz. Ihrer Beurteilung nach haben einereits die Schüler*innen konzentriert und engagiert mitgearbeitet und sich der Zielsetzung gemäss neue Kenntnisse zu Energie und Klima sowie für einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen angeeignet. Andererseits zeigt die sehr gut besuchte Schlussveranstaltung, dass die Woche «Zäme für morn» auch bei den Eltern grosses Interesse erzeugen konnte.
Einen schönen Einblick ins Projekt bietet der Sonderwochen-Blog einer Gruppe von Schüler*innen.

Viel Jugendliche spielen ein Brettspiel

Im Planspiel «Changing the Game» entwickeln Schüler*innen selber eine umweltverträgliche Energiestrategie. Mit der erstmaligen Umsetzung in der Kanti Wattwil, verstärken wir die Zusammenarbeit mit dem Energieinstitut Vorarlberg in Dornbirn.

Das Planspiel «Changing the Game» ermöglicht Schüler*innen ab der Oberstufe die Energiewende selber zu gestalten. Dazu lernen sie – angeleitet von zwei Fachreferent*innen des Energieinstituts Vorarlberg – das heutige Energieversorgungssystem im europäischen Kontext zu verstehen. In Gruppen stellen sie sich dann der Aufgabe, das System unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte in ein zukunftweisendes, sozial verträgliches und umweltfreundlicheres Szenario für das Jahr 2035 umzuwandeln. Sie entscheiden selbständig, welche technischen und gesellschaftlichen Anpassungen ihre Energiestrategie prägen und erfahren gleichzeitig, mit welchen Emissionsreduktionen und Kosten zu rechnen ist.

Die Kanti Wattwil spielt «Changing the Game» im Rahmen der Sonderwoche Wirtschaft mit rund 30 Jugendlichen (vgl. «Das sind wir»). Die erste Durchführung im Toggenburg soll der Anstoss sein, die bereits gute Zusammenarbeit zwischen dem Energieinstitut Vorarlberg und dem Förderverein zu intensivieren. «Durch die Partnerschaft möchten wir erfolgreiche Bildungsangebote auf die jeweils andere Region ausweiten», erläutert Präsidentin Patrizia Egloff die Strategie. «Wir profitieren dabei von der gegenseitigen Erfahrung und schaffen Synergien bei der Entwicklung.»

Junge bündelt Licht mit einer grossen Lupe

Gemeinsam mit der Oberstufe BuGaLu (Bütschwil, Ganterschwil und Lütisburg) führen wir vom 14. – 18. September eine Jugendsolarwoche unter dem Motto „Zäme für morn“ durch. Während der Sonderwoche untersuchen die Schüler*innen ihr eigenes Verhalten in den Bereichen Bekleidung, Ernährung, Mobilität, Geräte, Wasser und Wohnen. Sie erfahren Wissenswertes zu diesen Thematiken in Bezug auf die Nachhaltigkeit und erarbeiten Möglichkeiten, ihren Alltag bewusster zu gestalten. Über die verschiedenen Aktivitäten und Erfahrungen während der Jugendsolarwoche berichtet ein schulinternes Medienteam in einem Blog.

Interessenten bei einer Informationsveranstaltung zur PV-Aktion

Die PV-Aktion Toggenburg ist äusserst erfolgreich gestartet. In Wattwil und Kirchberg haben vergangene Woche rund 180 Interessierte unsere Informationsveranstaltungen besucht und sich mit den Installationspartnern über eine mögliche Anlage zum Spezialpreis von 15`000 Franken austauschen können.

Mit der Photovoltaik-Aktion (PV) profitieren Ein- und Zweifamilienhausbesitzer*innen im Toggenburg von einem einmaligen Angebot. Das Paket umfasst sämtliche Dienstleistungen für die Installation der eigenen Solarstromanlage – von der ersten Beratungsminute bis hin zur ersten Kilowattstunde (kWh) Strom, die auf dem Dach fliesst. Damit entfällt der aufwändige Vergleich zwischen verschiedenen Offerten sowie die Koordination der ausführenden Unternehmen. Die acht Installationsfirmen, die sich als Partner an der Aktion beteiligen, sorgen für alle Arbeiten aus einer Hand und sind auch zuständig für die Einreichung der Fördergesuche.

Kaum Aufwand – äusserst attraktiver Preis

Gemeinsam mit der Energieagentur St. Gallen GmbH, haben sich die Installateure auf einen Fixpreis für Anlagen zwischen 5 und 10 kW-Peak Leistung festgelegt. Eine 5 kW-Peak Anlage kostet 15`000 Franken und jedes weitere kW-Peak installieren die Partner für zusätzlich 1’600 Franken. Für die einzelnen Bestandteile der Anlage, insbesondere die PV-Module und den Wechselrichter, sind Qualitätsstandards, Herkunft und Leistungsgarantien definiert.

Dank Unterstützungsgelder reduziert sich der Anlagepreis von 15`000 Franken nochmals. Hausbesitzer*innen können einerseits 2’700 Franken Eimalvergütung des Bundes abziehen. Andererseits profitieren die Bewohner*innen in den Obertoggenburger Gemeinden Ebnat-Kappel, Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann sowie in Bütschwil-Ganterschwil, Neckertal, Oberhelfenschwil und neu auch in Wattwil von kommunalen Fördergeldern. Diese umfassen beispielsweise in Wattwil zusätzlich 300 Franken pro kW-Peak, so dass die Anlage noch 10`800 Franken kostet. Werden auch noch die Steuerabzüge beachtet, bleibt ein Preis von unter 10`000 Franken. Umgerechnet auf die Betriebsdauer der Anlage von 20 Jahren ergibt sich so der äusserst attraktive Stromproduktionspreis von rund 13 Rappen pro kWh.

Grösse für das Einfamilienhaus

Das Angebot orientiert sich am durchschnittlichen Stromverbrauch eines Einfamilienhauses, der bei rund 4’500 kWh liegt (ohne Wärmepumpe). Eine 5 kW-Peak- Anlage umfasst eine Fläche von 30 m2 und produziert rund 5’000 kWh und deckt gut den Verbrauch im Einfamilienhaus ab.

Um von der PV-Aktion zu profitieren müssen sich interessierte Ein- und Zweifamilienhauseigentümer*innen nur bis zum 4. Dezember 2020 an den Installationspartner ihrer Wahl wenden. Dieser beurteilt die Situation vor Ort, kontrolliert, ob kleine Zusatzaufwände hinzukommen, arbeitet das Angebot aus und setzt die Anlage bis spätestens Ende August 2021 in Betrieb. Einem eigentlichen PV-Boom im Toggenburg steht also nichts mehr im Wege.

Wer die Veranstaltung in Wattwil oder Kirchberg nicht besuchen konnte, kann gerne die Videoaufzeichnung nachschauen. Zusätzlich zum Video sind dort auch alle weiteren Informationen sowie Bedingungen zur Aktion zu finden.

Breite Zusammenarbeit

Bei der Aktion handelt es sich um ein gemeinsames Angebot von energietal toggenburg und der Energieagentur St. Gallen GmbH, welches alle zwölf Toggenburger Gemeinden sowie das Bundesprogramm EnergieSchweiz unterstützen. Den wichtigsten Teil übernehmen mit der Umsetzung der Aktion die regionalen Partner. Es sind dies AWS Solar AG, A. Huser Planung+Holzbau GmbH, Elektro Schönenberger AG, Elektro Widmer AG, Heizplan AG, Lippuner Energie- und Metallbautechnik AG, psp energietechnik AG und die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerk AG.

Münzen in einer Dose

Die Förderprogramme Neckertal, Oberhelfenschwil und Obertoggenburg verlaufen so erfolgreich, dass die geplanten Beiträge 2020 bereits vergeben sind. Während Oberhelfenschwil weitere Mittel aus dem gesamten Förderkredit bereitstellt, gibt es bei den anderen Gemeinden eine Warteliste.

Die Auswertung zeigt ein erfreuliches Bild. Bereits Mitte Jahr wurden in der Gemeinde Neckertal sowie in den Obertoggenburger Gemeinden Ebnat-Kappel, Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann 70 Fördergesuche zugesichert – verglichen mit den total 109 Gesuchen im Jahr 2019 eine beeindruckende Nachfrage. Sie hat zur Folge hat, dass die Fördergelder 2020 bereits ausgeschöpft sind. Nun gibt es für die Förderprogramme Obertoggenburg und Neckertal eine Warteliste. Die Gemeinden planen im Herbst, über die weitere Finanzierung zu entscheiden.

Auch in Oberhelfenschwil, wo das Förderprogramm seit Januar läuft, erweist es sich als Erfolg. Nach Ausschöpfung der Fördertranche 2020 stellte der Gemeinderat weitere Mittel aus dem gesamten Förderkredit zur Verfügung. Da er den Gesamtkredit für die dreijährige Dauer der Förderung nicht überziehen kann, wird er mit dem Budget 2022 entscheiden, ob er eine Verlängerung und zusätzliche Fördermittel beantragt.

Die Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil hat ihr Förderprogramm im Mai gestartet und befindet sich mit 12 Gesuchen ebenso auf Erfolgskurs.

Bei allen Förderprogrammen erzielten Photovoltaikanlagen die grösste Nachfrage nach Fördergeldern, gefolgt von Solarstrombatterien in Bütschwil-Ganterschwil, Neckertal und Oberhelfenschwil sowie vom Heizungsersatz durch Wärmepumpen im Obertoggenburg (keine Förderung von Solarstrombatterie).
Das grosse Interesse belegt, dass die Förderung für Hausbesitzer*innen ein Anreiz ist, Projekte schneller umzusetzen. Damit tragen sie zur regionalen Wertschöpfung bei, steigern die Nutzung erneuerbarer Energien und reduzieren die CO2-Emissionen.

Eine aktuelle Übersicht zu den Förderprogrammen finden Sie hier.

Luftaufnahme von Dorf Wattwil

Wattwil lanciert auf den 1. September 2020 ein kommunales Förderprogramm (siehe Flyer). Damit will die Gemeinde Hauseigentümer*innen einen Anreiz bieten, in Massnahmen der Energieeffizienz und in Solarenergie zu investieren – ganz im Sinne der energiepolitischen Ausrichtung als Energiestadt.

Ersetzen Hauseigentümer*innen in Wattwil die alte Öl-, Gas-, Elektro- oder Holzheizung durch eine Wärmepumpe, einen Anschluss an die Fernwärme oder eine neue Holzfeuerung mit Qualitätssiegel, so unterstützt sie die Gemeinde mit einem Förderbeitrag. Der finanzielle Zustupf ist erheblich. Das zeigt das Beispiel einer Erdsonden-Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus.
Neben dem kantonalen Beitrag von 6 000 Franken, spricht die Gemeinde zusätzlich 3 000 Franken. Der Förderbeitrag von insgesamt 9 000 Franken trägt dazu bei, dass die Wärmepumpe über die Lebensdauer von gut 20 Jahren gerechnet kostengünstiger als eine neue Öl- oder Gasheizung ist. Denn für einen echten Kostenvergleich gilt es, die Investitions- und die Betriebskosten zu berücksichtigen.

Doppelter Vorteil

Ebenso profitieren Liegenschaftsbesitzer*innen, die auf eigenen Solarstrom setzen. Die Gemeinde spricht sowohl einen Beitrag an eine Photovoltaikanlage als auch an die Installation einer Solarstrombatterie – für die Hausbesitzer*innen ein doppelter Gewinn: Sie können ihre Investitionskosten reduzieren und mehr eigenen Strom selber nutzen. Denn dank der Batterie steht dieser auch am Abend oder in der Nacht zur Verfügung.

Beim Potenzial ansetzen

Die Förderung fokussiert sich auf Bereiche, die grosse Wirkung versprechen. Einerseits erfolgte der Bau von rund 90 % der Gebäude in Wattwil vor der Jahrtausendwende, so dass bei vielen Liegenschaften der Heizungsersatz ansteht. In dieser Situation kann die Förderung den Ausschlag geben, auf erneuerbare Heizungssysteme umzusteigen. Andererseits ist das Potenzial für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien erst zu gut einem Drittel ausgeschöpft. Auch hier können die Förderbeiträge den Anreiz zur Umsetzung von Massnahmen im Sinne einer nachhaltigen kommunalen Energie- und Klimapolitik bieten.

Der Gemeinderat hat das Förderprogramm auf vier Jahre ausgelegt. Die Finanzierung erfolgt über einen Fonds. Die Bürgerversammlung von Wattwil hat zugestimmt, diesen mit einem Startkapital von 170 000 Franken zu äufnen. Aufgrund erster Erfahrungen mit der Nachfrage nach Fördergeldern wird die weitere Finanzierung in die Wege geleitet.
Für die Abwicklung der Gesuche ist die Energieagentur St. Gallen GmbH verantwortlich. Die Details zu Förderbedingungen und -beiträgen sind zu finden unter: energieagentur-sg.ch

Auf der Webseite im «e-förderportal» können die Fördergesuche, immer vor Baubeginn, elektronisch eingereicht werden.

Weitere Informationen finden Sie in Flyer oder unter wattwil.ch

CO2 mit Kreide auf Wandtafel

Das Energiekonzept 2021–2030 legt Ziele und Massnahmen fest, um den CO2-Ausstoss weiter zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und den Zuwachs des Strombedarfs zu bremsen. Zudem sollen erneuerbare Energien in der Energieversorgung eine tragende Rolle übernehmen und verstärkt zugebaut werden. Die Regierung hat das Konzept verabschiedet und dem Kantonsrat für die weitere Behandlung zugeleitet.

Mit dem Energiekonzept 2021–2030 sollen die CO2-Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 halbiert werden. Das heisst, dass im Jahr 2030 im Kanton St.Gallen noch höchstens 1,65 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen werden. Zudem sollen mindestens 1’100 GWh neue erneuerbare Energien zugebaut werden. Damit wird eine Produktion von mindestens 3’100 GWh im Jahr 2030 erreicht. Durch den verringerten Verbrauch von Treib- und Brennstoffen, sowie weniger Kosten für die Aufbereitung von Warmwasser, können die St.Galler Privathaushalte jedes Jahr zwischen 300 und 400 Millionen Franken sparen.

Massnahmen wirken vielfältig

Die Massnahmen für eine effiziente Energie- und Klimapolitik konzentrieren sich auf den Verkehr, die Gebäude und die Wirtschaft. Die Massnahmen gliedern sich in fünf Schwerpunkte: «Stadt, Gemeinde, Energieversorger», «Quartiere und Areale», «im und ums Haus», «unterwegs sein» sowie «Arbeiten». Ein Beispiel: Beim Verkehr soll mit dem Schwerpunkt «unterwegs sein» unter anderem das Mobilitätsmanagement von Unternehmen und der öffentlichen Hand gestärkt werden. Das kann bedeuten, dass der Kanton Unternehmen beim Aufbau und der Umsetzung eines Mobilitätsmanagements unterstützt, etwa durch Pflichtenhefte und Qualitätssicherung. Dadurch soll das Verkehrsaufkommen durch Arbeits- und Kundenverkehr sowie Dienstfahrten vermindert werden. Nebst der Abnahme des Energiebedarfs und des CO2-Ausstosses wird auch die Attraktivität des Unternehmens und der Standortgemeinde gestärkt.

Evolution statt Revolution

Viele Massnahmen sind schon länger bekannt, technisch ausgereift und wirtschaftlich interessant. Die Herausforderung besteht darin, diese bekannt zu machen und die Leute dafür zu gewinnen, sie umzusetzen. Die Massnahmen wurden im Austausch mit den Anspruchs- und Interessensgruppen erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise Vertretungen der Gemeinden, Energieversorger, Umweltorganisationen sowie Industrie- und Gewerbeverbände. Die Massnahmen bauen stark auf Freiwilligkeit, Solidarität und Kooperation auf. Dieser Ansatz ist möglich, weil in der Bevölkerung die Bereitschaft und das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer aktiven Energie- und Klimapolitik vorhanden sind. Diese zeigte eine repräsentative Umfrage bei St.Galler Hauseigentümer*innen.

Verhaltensökonomie unterstützt bisherige Massnahmen

Bei der Erarbeitung und der Umsetzung der Massnahmen des Energiekonzeptes wurden verhaltensökonomische Prinzipien angewendet. Damit soll bei der Bevölkerung das Bewusstsein gefördert werden, dass der Beitrag des Einzelnen wichtig ist und unerlässlich, um die Ziele des Energiekonzeptes zu erreichen. Die Umfrage zeigte, dass Verhalten und Entscheide häufig von Annahmen geprägt sind. Diese stimmen nicht immer mit der Realität überein. So sind zum Beispiel die tatsächlichen Kosten für erneuerbare Heizungssysteme über die Lebensdauer betrachtet nicht höher als für fossile. Hier wird die Annahme durch die höheren Anschaffungskosten für erneuerbare Heizungssysteme dominiert. Solche verhaltensökonomische Erkenntnisse erlauben die Entwicklung von Massnahmen, die zusätzlich zu Informationen und finanziellen Anreize eingesetzt werden können, wenn diese nicht die beabsichtige Wirkung zeigen oder nicht anwendbar sind. Bei diesem Beispiel können mit Information und Beratung Grundlagen vermittelt werden. Damit treten Fakten an die Stelle von Annahmen, die Entscheidungen und schliesslich das Verhalten prägen werden.

Nachtragskredit gewährleistet die Finanzierung

Die Massnahmen des Energiekonzepts 2021–2030 sind breit aufgestellt und werden intensiv vorangetrieben. Dadurch steigt der Finanzbedarf im Vergleich zum Aufgaben- und Finanzplan 2021–2023. Für die Finanzierung der Energieförderung enthält das Budget 2021 bereits einen Sonderkredit im Umfang von 25 Millionen Franken als gebundene Ausgabe für die Jahre 2021 bis 2025. Ergänzend wird nun dem Kantonsrat Botschaft und Entwurf für einen Kantonsratsbeschluss für einen Nachtragskredit zum Sonderkredit im Umfang von 17,2 Millionen Franken zugeleitet. Der kantonale Förderkredit für die Jahre 2021 bis 2025 beläuft sich damit auf 42,2 Millionen Franken. Beim Einsatz dieser kantonalen Mittel kann zusätzlich mit Globalbeiträgen des Bundes in der Höhe von etwa 105 Millionen Franken gerechnet werden.

Pariser Klimaziele und kantonale Vorstösse

Grundlage für die Klima- und Energiepolitik des Kantons St.Gallen ist die Anerkennung des Übereinkommens von Paris durch den Kantonsrat am 13. Juni 2019. Mit dem Energiekonzept 2021–2030 werden zudem auch die Inhalte zahlreicher kantonaler politischer Vorstösse der letzten Jahre aufgenommen.

Weitere Infos zur Kantonalen Energiepolitik finden Sie hier.