Turbine aus dem Jahr 1910

Im Haus «Alte Säge» in Alt St. Johann produziert die Francisturbine aus dem Jahr 1910 seit vergangener Woche wieder Strom – dank grossen Engagements für den Erhalt historischer Werte und Substanz.

«Wir waren beeindruckt von den handgezeichneten, historischen Plänen des Wasserkraftwerks», erinnert sich Peter Eigenmann an den Moment, als er mit seiner Partnerin Bettina Kaiser begann, sich ins Projekt zur Reaktivierung der Anlage zu vertiefen. Bettina Kaiser ist in der Nachbarschaft der «Alten Säge» an der Sonnenhalbstrasse in Alt St. Johann aufgewachsen und hat die Liegenschaft mit dem Wasserkraftwerk im September 2020 erworben (vgl. «das sind wir). Auch Peter Eigenmann kennt die Anlage durch die Familienfreundschaft mit dem langjährigen Vorbesitzer Max Gächter. Die Faszination für Technik und Wasserkraft begleitet ihn: «Ich habe grossen Respekt vor den technischen Leistungen früherer Generationen.»

Wieder in Betrieb

Erste Erwähnung findet die «Alte Säge» bereits im 17. Jahrhundert. Das noch heute bestehende Sägereigebäude wurde 1797 erstellt. 1901 liess der damalige Besitzer Johann Tobler die Säge ins Wasserrechtskataster des Kantons St. Gallen eintragen und ein Wasserrad erbauen. Knapp zehn Jahre später installierte er im Untergeschoss der Säge eine Francisturbine zur Stromproduktion.

Max Gächter kaufte die Liegenschaft 1971 und gestaltete die Sägerei in Wohnraum um. Das Wasserkraftwerk war seine Leidenschaft. Er betrieb es bis ins Jahr 2016. In dieser Zeit tätigte er verschiedene Revisionsarbeiten, stattete die Anlage mit einer mechanischen Steuerung aus und konnte sie auch immer wieder interessierten Fachleuten zeigen.

Nach einigen Jahren Unterbruch der Stromproduktion leitete Bettina Kaiser als neue Besitzerin die Reaktivierung der Anlage mit Wasserrechtskonzession und gewässerschutzrechtlicher Bewilligung für die energetische Nutzung Anfang 2021 in die Wege. Peter Eigenmann, mit mechanischer Grundausbildung, hat die Leitung des Projektes übernommen und vorangetrieben. Im ersten Schritt liessen sie anstelle der mechanischen eine neue elektronische Steuerung konzipieren und einbauen. Weil jedes Kraftwerk eigene Parameter beispielsweise bezüglich Fallhöhe oder Menge des Wassers aufweist, handelt es sich dabei um eine Einzelausführung, basierend auf einer Grundsoftware. Mit der Firma AVM aus Dietfurt konnte ein kompetenter Partner mit Erfahrung für die Umsetzung gefunden werden. Ebenso erfolgten im Rahmen der Restauration Massnahmen bezüglich der Sicherheit, so dass die Anlage auch für Führungen vorbereitet ist.

Kaum Eingriff in die Natur

Das Wasserkraftwerk, ein Laufkraftwerk, entspricht in der Dimension und Konzeption auch heute der seit Jahren bestehenden Anlage. Es liegt nicht in einem Schutzgebiet. Im genutzten Bereich leben keine natürlich vorkommenden Fische.
Das Wasser entstammt einer Karstquelle oberhalb der Liegenschaft «Alte Säge», zu der das Quellrecht gehört. Ab der Quelle gelangt das Wasser über einen kurzen Bach ins Vorbecken, von da auf die Turbine und wird über einen Kanal in die Thur geleitet. Das Wassernutzrecht beträgt 125 Liter pro Sekunde. Die weitere Wassermenge fliesst zur nahen Klangschmiede oder direkt in die Thur. Dank der Revision kann die Turbine mit 6 Kilowatt Motorenleistung rund 40 000 Kilowattstunden sauberen Strom produzieren – ohne nennenswerte Einflüsse auf die Natur. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespiesen.

Mechanik als Herausforderung

Im nächsten Schritt ist die mechanische Revision der Turbine geplant. Erst deren Zerlegung wird zeigen, welche Teile ersetzt und in aufwändiger Einzelanfertigung neu hergestellt werden müssen. «Die Erneuerung der Mechanik ist wie eine Wundertüte», schmunzelt Eigenmann. «Aber wir haben diese Herausforderung nicht angenommen um Geld zu verdienen, sondern weil uns der Erhalt der Anlage am Herzen liegt und wir mit unserem Projekt vielleicht auch andere Besitzer motivieren können, ihr kleines Wasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen.»

blaue Solarzellen

Mit einem attraktivem Rahmenprogramm weiht die Gemeinde Lichtensteig Ende August ihre neue Photovoltaikanlage auf dem Schulhaus des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg, BWZT, ein.

Lichtensteig ist seit 2015 mit dem Label Energiestadt ausgezeichnet. Dieser Leistungsausweis belegt, dass sich die Gemeinde kontinuierlich für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz und erneuerbare Energien sowie umweltverträgliche Mobilität einsetzt. Aktuell hat Lichtensteig das «Energiekonzept 2030» erarbeiten lassen, um den heutigen und den künftigen Energieverbrauch zu eruieren und den energiepolitischen Weg mit gezielten Massnahmen weiterzugehen. Zu den Zielen gehört beispielsweise der Ausbau der Solarstromproduktion auf gemeindeeigenen Gebäuden.

Neue Anlage auf dem Schulhaus

Die Bestrebungen zeigen Wirkung. Lichtensteig kann kommende Woche eine neue Photovoltaik-Anlage einweihen. Sie befindet sich auf dem Flachdach des Schulhauses des BWZT und umfasst eine Fläche von 215 m2 mit aufgeständerten Modulen. Bei einer installierten Leistung von 42,6 Kilowatt Peak (kWp) lässt sich eine jährliche Stromproduktion von rund 31 000 kWh erwarten. Für Planung und Realisierung der Anlage war die AWS Solar AG, Mosnang, verantwortlich.

Filme unter freiem Himmel

Die Einweihung ist in ein attraktives Programm eingebettet. Im Rahmen der Veranstaltung vom Freitag, 27. August 2021, stellt die Energiekommission Lichtensteig vor Ort die neue Anlage vor und verleiht sechs Hauseigentümer*innen, die im letzten Jahr eine Solaranlage installiert haben, die Solarplakette. Im Anschluss präsentiert sie gemeinsam mit dem Rathaus für Kultur verschiedene Familien-Kurzfilme unter dem Titel «Absurder Alltag» im «Sonnenkino». Am Samstag, 28. August 2021 stehen Kurzfilme zum Thema «Re: Bin im Urlaub» mit anschliessendem Gespräch mit dem Filmemacher auf dem Programm.

Die Vorführungen finden auf dem Goldenen Boden unter freiem Himmel oder bei schlechter Witterung in der Kalberhalle statt. Das «Sonnenkino» wird mit Solarenergie betrieben. Weitere Informationen finden Sie hier.

Croissant mit Kaffee

Das Energiegipfeli ist eine jährliche Veranstaltung für lokale Fachleute, Handwerker und Energieinteressierte mit Energie-News aus Bund, Kanton und Region. Die virtuelle Ausgabe des Energiegipfelis 2021 gibt es nun zum Nachschauen. Im Programm finden Sie die behandelten Themen, welche mit Zeitangaben versehen sind. So können Sie ganz einfach zum für Sie interessanten Thema springen.

Programm:

  • Begrüssung und Projekte aus dem Energietal (00:00)
  • Aktuelles aus der Energiepolitik und zum Energiegesetz im Kanton St. Gallen (18:47 )
  • Energieförderung des Kantons und der Toggenburger Gemeinden (54:38)
  • Programm «erneuerbar heizen» von EnergieSchweiz (58:25)

 

Die Energiekommission Lütsiburg im Mehrzweckgebäude

Die Gemeinde Lütisburg lanciert am 1. Juli 2021 ein kommunales Energieförderprogramm. Mit grosszügigen Beiträgen beim Heizungsersatz und der Neuinstallation von Photovoltaikanlagen möchte die Gemeinde Lütisburg die Eigenproduktion von Strom und Wärme fördern und den CO2-Ausstoss minimieren. Vergangenen Freitag wurde die Bevölkerung entsprechend informiert. Das Förderprogramm ist auf drei Jahre ausgelegt.

Imelda Stadler begrüsste vergangenen Freitag, 25. Juni 2021, die interessierten Lütisburgerinnen und Lütisburger und stellte gemeinsam mit der Energiekommission Lütisburg, der Energieagentur SG und dem energietal toggenburg das neue Förderprogramm der Gemeinde vor. Es wurde aufgezeigt, was die Gemeinde Lütisburg in den letzten Jahren im Bereich der Energie und Umwelt bereits erreicht hat und wo das Toggenburg und insbesondere die Gemeinde Lütisburg bezüglich der Energieentwicklung steht. Im Fokus stand am Informationsabend aber das neue Energieförderprogramm, dessen Abwicklung und die Fragen aus der Bevölkerung.

Heizungsersatz und Solarstrom

Den Ersatz der Elektro-, Ölheizung oder alten Holzfeuerung durch eine neue Holzfeuerung mit dem Qualitätssiegel Holzenergie Schweiz unterstützt die Gemeinde pauschal mit 2’000 Franken. Der Ersatz mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe wird pauschal mit 1’500 Franken unterstützt, während Sole-Wasser und Wasser-Wasser-Wärmepumpen pauschal mit 3’000 Franken unterstützt werden.

Neuinstallationen von Auf- und Indach-Photovoltaikanlagen werden mit 200 Franken pro Kilowatt unterstützt. Der maximale Förderbeitrag beträgt 2’000 Franken.

Förderantrag einreichen

Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in der Gemeinde Lütisburg können den Förderantrag ab dem 1. Juli 2021 elektronisch ausfüllen und einreichen unter http://efoerderportal.sg.ch. Er wird anschliessend von der Energieagentur St. Gallen GmbH beurteilt und bewilligt, sofern das Projekt die Förderkriterien erfüllt und der Antrag vor Baubeginn eingereicht wurde.

Neun kommunale Förderprogramme

Die Gemeinde Lütisburg ist bereits die neunte von insgesamt zwölf Toggenburger Gemeinden, welche ein kommunales Förderprogramm anbieten. Ausserdem profitieren alle Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Lütisburg von den kostenlosen Beratungsangeboten von energietal toggenburg. Weitere Informationen zu den kommunalen Förderprogrammen finden Sie hier.

Hände mit dem Muster der Weltkarte

Das Projekt «Gemeinsam fürs Klima» verbindet den konkreten Einsatz fürs Klima mit der Freiwilligenarbeit – dank einer innovativen Zusammenarbeit von energietal toggenburg mit der Genossenschaft Zeitgut Toggenburg.

Der Klimawandel als globales Problem hinterlässt oft Ohnmacht hinsichtlich der persönlichen Handlungsmöglichkeiten. Entsprechend gross ist bei vielen Menschen das Bedürfnis, mit eigenen Massnahmen die regionalen Auswirkungen zu vermindern.
Hier setzt das Projekt «Gemeinsam fürs Klima» von energietal toggenburg an. Es bietet Interessierten die Chance, sich konkret fürs Klima einzusetzen und stärkt gleichzeitig die Freiwilligenarbeit im Dienst der gesamten Gesellschaft. Das macht die innovative Partnerschaft mit der Genossenschaft Zeitgut Toggenburg möglich. Zeitgut engagiert sich mit Zeitgutschriften für generationenverbindende Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit – sei es Blumen tränken, ein Spaziergang oder der Einkauf. Mitglieder, die Zeit geben, lassen sich diese auf ihr persönliches Zeitgutkonto gutschreiben und können sie für den eigenen Bedarf wieder beziehen. «Die Freiwilligenarbeit», so fasst Genossenschaftspräsident Markus Windirsch zusammen, «ist bei uns kostenlos aber nicht umsonst.» (vgl. rechte Spalte)

Junge Erwachsene motivieren

Im Rahmen des Projekts organisiert energietal toggenburg sogenannte Aktionstage fürs Klima. Wer als Helfer*in mitwirken will, kann sich auf freiwilliger Basis bei Zeitgut Toggenburg registrieren lassen. Dank der Mitgliedschaft wird der Klima-Einsatz dem persönlichen
Zeitgutkonto angerechnet und erhält dadurch grössere Wertschätzung. Um vor allem junge Erwachsene zu gewinnen und so längerfristig Kapazität in der Freiwilligenarbeit aufzubauen, übernimmt das Projekt «Gemeinsam fürs Klima» für die ersten 50 Mitwirkenden unter 25 Jahren den einmaligen Genossenschaftsanteil von 100 Franken. Gesponsort werden diese Anteile durch den grosszügigen Beitrag der Toggenburger Raiffeisenbanken. Bei der Umsetzung der Klima-Aktionstage bindet energietal toggenburg zudem die Erfahrungen bestehender Vereine und Organisationen ein. Die Pilotumsetzung Ende April erfolgte beispielsweise mit dem Naturschutzverein Ebnat-Kappel und Nesslau. Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer*innen arbeiteten an Projekten rund um die Förderung der Artenvielfalt in der Gemeinde Nesslau. Gemeinsam leisteten sie einen Beitrag, um die Auswirkungen des Klimawandels mit geeigneten Anpassungen zu mindern.

Nun suchen energietal toggenburg und die Genossenschaft Zeitgut weitere Freiwillige für die kommenden Aktionstage. Zur Auswahl stehen:

  • Repair-Café in Lichtensteig (3. Juli 2021, 14:00 bis 18:00 Uhr)
  • Weidepflege in Ebnat-Kappel (24. Juli 2021, ab 9:00 Uhr)
  • Pflege des Naturreservats in Ebnat-Kappel (16. Oktober 2021, ab 9:00 Uhr)

Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier.

Bild vom Ijentalersee

Auch in diesem Sommer lockt aufgrund der Corona-Pandemie die Schweiz als facettenreiches Reiseziel für die langen Ferien.

Das Energietal Toggenburg wartet mit Aktivitäten für die ganze Familie auf, die Wanderbegeisterte ebenso ansprechen wie E-Biker, Lernbegierige, Ruhesuchende oder Kulturbeflissene. Die folgende Auswahl zeigt: Viele Angebote tragen der Nachhaltigkeit Rechnung.

Wissen Sie, welchen Anteil Wild- und Honigbienen an die Bestäubung von Pflanzen leisten? Dies und vieles mehr ist auf dem «Klimaerlebnisweg» dank des neuen Actionbounds zu erfahren, den energietal toggenburg, Nesslau Tourismus und die Wolzenalp AG entwickelt haben. Ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd führt der Bound die Besucher*innen entlang des Wanderwegs von der Wolzenalp durch Moorlandschaft und seltene Planzenwelten zum idyllischen Ijentalersee mit Wasserkraftwerk. Auf dem Weg – in beide Richtungen begehbar – sind Orte zu suchen, Quizfragen zu lösen und spannende Fakten zu Moor, Wildtieren oder Energie zu entdecken.
Wer an der «Schnitzeljagd» mitmachen will, muss nur die App Actionbound herunterladen und kann ab 1. Juli 2021 den QR-Code einlesen. Weitere Informationen finden Sie in den kommenden Tagen unter klimaerlebnisweg.ch.

Auch Globi wandert mit

Weitere Wege, die eine eindrückliche Aussicht mit Naturerlebnis und Infos rund um Energie verbinden sind der «Lehrpfad Wasserkraft» und der Energie-Rundweg Gamplüt. Entlang des Thurwegs zwischen den Wasserkraftwerken Ebnat und Trempel vermittelt der Lehrpfad mit Infotafeln Hintergründe zum Zusammenspiel von Wasserkraftnutzung und dem Ökosystem der Thur. Auf dem Energie-Rundweg mit Start- und Endpunkt auf Gamplüt Wildhaus, sorgt Globi als Begleitfigur für witzige Denkanstösse rund um den täglichen Energiekonsum oder den Umgang mit Ressourcen und bietet auch kleinen Kindern ein Erlebnis. Weitere Informationen zu den Energiewegen finden Sie hier.

In den Wipfeln

Hoch über der Erde schlängelt sich der Baumwipfelpfad Neckertal bei Mogelsberg 500 Meter lang durch den Wald und ermöglicht einzigartige Einblicke in die Baumkronen. Erlebnisstationen mit Lehrwert auf dem Pfad und dem dazugehörigen Walderlebnsiweg, ein Spielplatz, Bistro und Grillstellen machen den Besuch im nachhaltig gestalteten Freizeitpark zur Naturerfahrung für die ganze Familie.

Herzroute auch im Toggenburg

Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, kann auf der Herzroute Herisau-Wattwil besondere, wenig bekannte Orte im unteren Toggenburg erkunden – sei es die Necker-Einmündung in die Thur bei Lütisburg, die Lichtensteiger Äulischlucht oder die Iburg in Wattwil. Unter herzroute.ch sind Infos zur Strecke, Ladestationen und Tipps für Kulinarik und Übernachtung zu finden.

Musik und Sonnenenergie

Kulturintressierte kommen während des Sommers bei der Klangwelt Toggenburg auf ihre Rechnung. Klangwelt präsentiert bis in den November ein Kulturprogramm mit Performances, Installationen, Klang- und Videokunst unter Einbindung von Natur und Umwelt. Als nachhaltige Eventinfrastruktur steht zum Start der «Denkschwendi» ab 8. Juli 2021 die mobile Photovoltaikanlage, «Solarpavillon», am Schwendisee in Wildhaus für die Klangwelt im Einsatz.

Und eigentlich können die Ferien schon am 3. Juli 2021 beginnen. Dann lädt die Genossenschaft Stadtufer in der Fabrik an der Stadtbrücke Lichtensteig zum Tag der offenen Tür ein. Neben der Besichtigung bietet sich der Besuch des Repair Cafés an (siehe Hauptartikel). Gäste können defekte Gegenstände, wie Elektro- und Haushaltgeräte oder Spielsachen, mitbringen und zusammen mit freiwilligen Profis reparieren – unentgeltlich in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen.

Alle Veranstaltungen von energietal toggenburg finden Sie hier.

Toggenburger Churfirsten im Herbst

Die Schweiz will mit dem CO2-Gesetz den Ausstoss der Treibhausgase bis 2030 gegenüber 1990 halbieren. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag, ihre Verpflichtungen gemäss Pariser Klimaabkommen wahrzunehmen und den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken.

Das energietal toggenburg, getragen von allen zwölf Gemeinden, kennt seit der Gründung des Fördervereins 2009 ein vergleichbares Ziel: Bis 2034 soll alle im Tal gebrauchte Energie aus einheimischen, CO2-neutralen Ressourcen stammen. Mit seiner fortschrittlichen Energieproduktion und den verschiedenen Beratungs- und Sensibilisierungsangeboten verfügt das Toggenburg über gute Voraussetzungen für die Umsetzung des CO2-Gesetzes.

Erneuerbar heizen als Ziel

Neubauten beispielsweise sollen nach dem neuem Gesetz für Heizung und Warmwasser keine CO2-Emissionen mehr ausstossen. Das entspricht dem Stand der Technik, da die Mehrheit neuer Gebäude über ein Heizsystem mit erneuerbaren Energien verfügt. Bei bestehenden Bauten gilt dann eine Obergrenze für die CO2-Emmissionen, wenn eine alte Heizung ersetzt werden muss. Als Anreiz für den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen dient die heutige CO2-Lenkungsabgabe auf fossile Brennstoffe und deren schrittweise Erhöhung bis 2030. Zwei Drittel der Abgaben erhalten Privatpersonen und Unternehmen zurückerstattet. Ein Drittel fliesst in den Klimafonds, um unter anderem das Gebäudeprogramm weiterzuführen. Dieses unterstützt Hauseigentümer*innen über die kantonale Förderung bei Sanierungsmassnahmen und beim Heizungsersatz.
In den Gemeinden Bütschwil-Ganterschwil, Ebnat-Kappel, Mosnang, Neckertal, Nesslau, Oberhelfenschwil, Wattwil und Wildhaus-Alt St. Johann kommen noch die kommunalen Förderbeiträge hinzu. Wie der Umstieg auf ein erneuerbares Heizsystem gelingt, zeigt die Impulsberatung erneuerbar heizen. Sie ist im Toggenburg und im ganzen Kanton St. Gallen kostenlos.

Klimafreundliche Angebote

Auch bei der Mobilität ist die Reduktion der CO2-Emissionen notwendig. Dazu soll beispielsweise der heutige CO2-Zielwert für neue Personen- und Lieferwagen verschärft und erstmals auch einer für den Schwerverkehr eingeführt werden. Gleichzeitig fördert das Gesetz die Elektromobilität und unterstützt beispielsweise den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Im Toggenburg entspricht die breite Auswahl an umweltfreundlicher Fahrzeuge dieser Ausrichtung. Die meisten der zwölf Gemeinden bieten den Elektro-Sponti-Car, das Transportfahrrad «carvelo2go» oder ein E-Bike der Bevölkerung zur Benützung an. Ebenso erhöhen die lokalen Garagisten ihr Angebot an elektrischen und hybriden Fahrzeugen.

Für die Verwendung des Klimafonds – auch durch die neue Flugticketabgabe gespiesen – sind zwei weitere Zwecke vorgesehen. Einerseits fliesst Geld in innovative Unternehmen, um den Werk- und Forschungsplatz Schweiz zu stärken. Anderseits unterstützt der Fonds Bergregionen, Städte und Gemeinden bei Massnahmen zur Bewältigung des Klimawandels. Das könnten Chancen für das Toggenburg sein.

Details zum neuen CO2-Gesetz, über das am 13. Juni 2021 abgestimmt wird: www.uvek.admin.ch

Jugendliche experimentieren mit Solarzellen

Die praktische Auseinandersetzung mit dem Thema Energie hat im Mittelpunkt der Jugendsolarwoche von energietal toggenburg im Johanneum, Neu St. Johann, gestanden. Die 15 Schüler*innen konnten das Programm inhaltlich mitgestalten.

Was ist Energie? Welche Energieträger gibt es? Markus Aepli, Leiter der Jugendsolarwoche von energietal toggenburg, verdeutlichte die Einführung in die Projektwoche Ende April 2021 mit einem praktischen Beispiel: Die 15 Schüler*innen der Berufsfindungsklasse und der Oberstufe des Johanneums konnten die Wärmebildkamera testen und damit Energie anhand verschiedener Farben «erkennen».

Saisongerecht kochen

In der Folge vertieften sich die Jugendlichen, begleitet von Lehrpersonen, in die Projekte, die sie selbst ausgewählt hatten. Eine Kleingruppe beschäftigte sich mit dem Thema «Kleider», ging den Fragen nach, wie und mit wie viel Energie unsere Kleider hergestellt werden und was hinter den Begriffen «Fast Fashion» und «Upycling» steckt.
Im Workshop «Ernährung» überlegten sich die Schüler*innen auf der Basis des ökologischen Fussabdruckes wie sie sparsam mit Nahrungsmitteln umgehen und Food Waste verhindern können. Für die praktische Anwendung kochten sie ein saisongerechtes Menü und backten im selbstgebauten Solarkocher einen Birnenfladen.

Mit Säge und Lötkolben

Das Projekt «Sprit-Strom-Wasser» ermöglichte den Jugendlichen mit Experimenten die Siedetemperatur und die Brenndauer verschiedener Brennstoffe zu bestimmen und auszuwerten. Ebenso zeigte ihnen ein Versuch eindrücklich auf, wie viel Wasser sich mit dem Einsatz einer Spardüse sparen lässt. Der Bau eines kleinen Elektromotors forderte ihr praktisches Geschick.

Exkursionen in der Region

Neben der Workshop-Arbeit brachten drei Exkursionen den Schüler*innen verschiedene Formen der Energie näher. Sie besichtigten das Holzenergiezentrum Nesslau sowie die Recyclingfirma Schönenberger in Lichtensteig und besuchten das Bergrestaurant Gamplüt, Wildhaus, das die gesamte benötigte Energie durch Wind, Sonne und Holz selber gewinnt.

Highlight Solarmobilrennen

Den krönenden Abschluss des Projekts bildete das Solarautomobil-Rennen. Dabei erlebten die Jugendlichen, dass die Geschwindigkeit der selbstgebauten Fahrzeuge direkt von der Sonneneinstrahlung abhängt. Die Präsentation der vielseitigen Erkenntnisse aus Workshops, Exkursionen und Rahmenprogramm rundeten die erfolgreiche Jugendsolarwoche ab.

Solarpavillon aus Holz mit Technikschrank

Bei der heutigen mobilen Eventstruktur ist die Nutzung erneuerbarer Energien kaum ein Thema. Nun schliesst der Solarpavillon diese Lücke. Im Mai kann er erstmals in Ebnat-Kappel besichtigt werden.

Die Idee besticht: Auch eine mobile Eventstruktur soll über erneuerbare Stromversorgung verfügen. Entstanden ist der Gedanke im Rahmen des «Winterzaubers» Ende 2019 in Bazenheid. Die Dorfkorporation Bazenheid baute anlässlich des 60. Geburtstags ein 500 m2 grosses Eisfeld für die Bevölkerung auf und organisierte den Event nach Kriterien der Nachhaltigkeit (saubere-veranstaltung.ch). Dazu versorgte sie den Anlass über eine mobile Leitung mit erneuerbarer Wärme und produzierte mit der eigens aufgebauten Photovoltaikanlage direkt Strom.

Ein Prototyp entsteht

Energietal toggenburg erstellte das Nachhaltigkeitskonzept für den «Winterzauber» und verfolgte die Idee im letzten Jahr weiter; zusammen mit der Regionalgruppe Nordostschweiz der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie SSES und engagierten Fachpartnern. Das Resultat ist der mobile Solarpavillon. Eine 12,75 Kilowattpeak Photovoltaikanlage (PVA) bildet sein Giebeldach und deckt eine Fläche von 60 m2.
«Die grösste Herausforderung war es, ein geeignetes Solarmodulsystem aus der Schweiz so zu modifizieren, dass es sich mehrmalig ohne Spezialwerkzeuge einfach auf- und abbauen lässt», erklärt Martin Raschle, der als Teilhaber der Solarpartner GmbH, Wattwil, für Konzept und Umsetzung der PVA verantwortlich ist. Gleichzeitig sollten die Zellen von unten zu sehen sein, um im Sinne des Demonstrationseffekts, die Solarstromproduktion künftigen Besucher* innen sichtbar zu machen. Gelöst hat die Solarpartner GmbH diese Anforderungen unter anderem mit einer Glasabdeckung auch auf der Unterseite der Module sowie mit speziell konzipierter Unterkonstruktion und Verriegelung. Sowohl Dichtigkeit als auch Wasserabfluss sind gewährleistet. Für die Stromerzeugung ist die PVA in zwei Systeme geteilt. Rund ein Drittel funktioniert dank einer Batterie im Inselbetrieb, so dass sich der Pavillon auch unabhängig von einem Stromnetz nutzen lässt. Beim grösseren Teil handelt es sich um eine ganz «normale» Verbundanlage mit Anschluss ans öffentliche Stromnetz.
Die Elektrotechnik für die PVA führte als weiterer Fachpartner die Bichler + Partner AG, Wattwil, aus. Dabei integrierte sie Wechselrichter und weitere Einzelteile in einen Schaltschrank, um ebenfalls Auf- und Abbau der Technik zu vereinfachen.

Den eigentlichen Pavillon produzierte die Wiler VierD AG, die auf den Bau von Eventmodulen spezialisiert ist, zusammen mit ihrer Mutterfirma S. Müller Holzbau AG, Wil. «Angepasst ans Solardach haben wir die Konstruktion entworfen und ein das Dach tragendes Balkengerüst mit 3,5 Meter Höhe im First und 2,5 Meter hohen Wänden gebaut,» führt Andy Scherrer, Projektleiter Eventbau bei der VierD AG, aus und ergänzt, dass dabei die Materialbeschaffung nicht ganz einfach gewesen sei, weil im Moment sehr grosse Nachfrage nach Bauholz herrsche. So stammt rund die Hälfte des Holzes, das Ständerholz, aus der Region, während die grossen Leimholz-Dachbalken in Deutschland bezogen werden mussten.

Erstmals zu besichtigen

Seit dieser Woche ist sichtbar, dass Fachkompetenz und Engagement der Partner zum erfolgreichen Abschluss des Projekts führten. Der Solarpavillon ist erstmals in Betrieb und bis Ende Mai bei der IST AG in Ebnat-Kappel zu besichtigen. Der Bekanntmachung der einzigartigen Eventstruktur dient der Einsatz an weiteren Standorten im Toggenburg und an der Olma.
Ab 2022 kann der Pavillon, mit oder ohne Wände, reserviert und schweizweit für Anlässe jeglicher Art gemietet werden. Zuständig für Vermietung sowie Auf- und Abbau ist die VierD AG.

Weitere Infos: www.solarpavillon.ch

Freileitungsmast von unten

Am 1. Juli 2021 wird im Kanton St. Gallen das neue Energiegesetz in Kraft treten. Es umfasst die Anpassung an den Stand der Technik im Gebäudebereich und zielt vor allem darauf ab, den Energieverbrauch in neuen und bestehenden Bauten zu senken.

Das neue Energiegesetz orientiert sich an den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014), welche alle Kantone im Sinne der Harmonisierung weitgehend in ihre Gesetzgebungen aufnehmen. Damit bildet der Kanton St. Gallen wieder den heutigen Stand der technologischen Entwicklung bezüglich Baustandards und Haustechnik ab. Im Bereich der Wohnbauten sind vom revidierten Energiegesetz neue, bauliche Massnahmen betroffen, die sich auf den Energieverbrauch auswirken.

Stromproduktion vor Ort

Bei Neubauten fordert das Energiegesetz tiefere Werte für den Wärmebedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung (35kWh/m2 Energiebezugsfläche). Das hat effizientere Gebäudehüllen und Haustechnik sowie tiefere Energiekosten zur Folge. Ebenso verlangen die Vorschriften die eigene Stromproduktion. Wer neu baut, soll pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche eine Stromerzeugung mit 10 Watt Leistung erstellen (maximal 30 Kilowatt). Wie die Vorschrift zu erfüllen ist, zeigt das Beispiel einer Fotovoltaikanlage, die voraussichtlich meistgenutzte Art der Eigenstromproduktion: Im Einfamilienhaus mit einer beheizten Wohnfläche von 200 m2 genügt eine Anlage von 2 Kilowatt Leistung. Sie entspricht einer Fläche von 10 bis 12 m2 und erbringt eine Stromproduktion von rund 2000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Diese Menge deckt einen schönen Teil des Stromverbrauchs im Vier-Personen-Haushalt (im Durchschnitt 4000 kWh).

Ist es nicht möglich eigenen Strom zu erzeugen oder von der Baueigentümerschaft nicht gewünscht, so kann sie die Vorgabe über einen tieferen Wärmebedarf kompensieren. Ausserdem bietet der Kanton St. Gallen zur Erfüllung der Vorschrift die Möglichkeit, eine Ersatzabgabe zu entrichten. Der geäufnete Betrag dient der Erstellung von Fotovoltaikanlagen auf privaten oder öffentlichen Gebäuden.

Erneuerbar heizen wird zum Stand der Technik

Auch bei bestehenden Wohnbauten haben die neuen Vorschriften die Reduktion des Energieverbrauchs zum Ziel und setzen dort an, wo so oder so Handlungsbedarf besteht. Muss eine Hauseigentümerschaft in einem älteren bis anhin nicht erneuerten Wohnbau die Heizung ersetzen und will eine Öl- oder Gasfeuerung installieren, ist entscheidend, wie effizient das Gebäude bereits ist. Auskunft dazu gibt der Gebäudeenergieausweis der Kantone, der GEAK. Bei Gebäuden, die beim GEAK mindestens die Gesamtenergieeffizienzklasse D erreichen oder nach Minergie zertifiziert sind, kann die neue Heizung frei gewählt werden. Das gilt ebenso für Gebäude, welche nach einem bestimmten Jahr – festgelegt in der Verordnung zum Energiegesetz – bewilligt worden sind. Bei weniger effizienten beziehungsweise älteren Gebäuden ist beim Heizungsersatz vorgeschrieben, mindestens 10 % des Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken oder den Energiebedarf um 10 % zu senken.

Einfache Umsetzung dank Standardlösungen

Für die Umsetzung dieser Massnahme stehen Standardlösungen zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel die Kombination einer neuen Öl- oder Gasheizung mit Sanierungsmassnahmen wie der Ersatz der Fenster, die Wärmedämmung von Fassade und Dach oder die Installation thermischer Sonnenkollektoren für die Wassererwärmung. Als weitere Lösung zur Erfüllung der Vorschriften bietet der Kanton St. Gallen die Nutzung von Bioöl oder Biogas mit entsprechendem Nachweis.
Ebenso gibt es Standardlösungen mit reiner erneuerbarer Wärmeerzeugung. Denn der Heizungsersatz ist die Gelegenheit, von fossilen auf erneuerbare Energien umzusteigen und den CO2-Ausstoss des Gebäudes langfristig zu senken: eine Chance, die sich auch wirtschaftlich lohnt. Werden bei der neuen Heizung nicht nur der Kaufpreis, sondern auch die Betriebs- und Unterhaltskosten über die Lebensdauer berücksichtigen, ist beispielsweise eine Wärmepumpe wirtschaftlicher als eine fossile Heizung – nicht zuletzt, weil ein Hauseigentümer beim Ersatz von Öl-, Gas und Elektroheizungen durch Wärmepumpen von namhaften Fördergeldern profitiert.
Der Kanton St. Gallen kennt ausserdem eine Härtefallregelung zur Befreiung von den Vorschriften.

Sämtliche Details zum Gesetz regelt die Regierung in der Verordnung, die sie voraussichtlich Ende April 2021 veröffentlicht.

Die Energieagentur St.Gallen führt ab Mai 2021 Schulungen für Fachleute zum Energiegesetz durch. Eine Übersicht aller Angebote finden Sie hier.

 

Weitere Informationen zum Gesetz: sg.ch
Veröffentlichung der Verordnung: publikationen.sg.ch
Informationen zur kantonalen Förderung: energieagentur-sg.ch > Förderprogramm